Navigation

Die Erstanhörung

Die Anhörung nach § 25 Asylgesetz ist für das Asylverfahren von zentraler Bedeutung. In der Anhörung wird der Asylbewerber über seine persönlichen Verhältnisse befragt und gibt Auskunft über seine Flucht- und Asylgründe, also darüber, warum er verfolgt worden ist oder dies befürchten muss. Dabei muss der Flüchtling die Verfolgungsgefahr nicht unbedingt beweisen, er muss jedoch eine logische, nachvollziehbare Erklärung frei von Widersprüchen über sein Verfolgungsschicksal abgeben. Die in der Anhörung getätigten Aussagen dienen dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) dann als Grundlage für die Entscheidung, ob jemand als Asylbewerber bzw. als Flüchtling anerkannt oder abgelehnt wird. Informationen, die dem BAMF erst nach Ablauf der Anhörung mitgeteilt werden, müssen bei der Entscheidung nicht berücksichtigt werden, wenn dadurch eine Verzögerung des Verfahrens eintreten würde (§ 25 Abs. 3 Asylgesetz). Deshalb ist es wichtig, dass sich ein Asylbewerber gut auf eine Anhörung vorbereitet. Einige Organisationen, wie z.B. die Asylberatung von Amnesty International in Unterfranken, bieten dafür spezielle Vorbereitungen auf die Erstanhörung an.

Der Informationsverband Asyl & Migration hat in verschiedenen Sprachen Informationsblätter veröffentlicht, die sehr hilfreich für die Vorbereitung auf die Anhörung sind.

Der Kölner Flüchtlingsrat hat in Kooperation mit einigen Filmemachern ein sechsminütiges Infovideo für Flüchtlinge zur Erstanhörung erstellt. Darin werden in 10 Sprachen zentrale Informationen zur Erstanhörung vermittelt.

Geflüchtete als Beistand zur Anhörung begleiten

Eine wichtige Unterstützung von Geflüchteten kann die Begleitung zur Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (kurz BAMF) als Beistand sein. Viele Geflüchtete sind nervös und können an dem Tag und während der Anhörung einen "Verbündeten" gebrauchen. Der Beistand darf jedoch nicht anstelle eines Asylsuchenden sprechen, er hat aber das Recht bei Unklarheiten nachzufragen, z.B.wenn etwas falsch oder missverständlich protokoliert wurde oder dem Geflüchteten nicht ausreichend Zeit für die Darlegung seiner Fluchtgründe gegeben wird.

Rechtsgrundlagen für die Begleitung eines Geflüchteten als Beistand zur Anhörung bilden § 25 AsylG und § 14 VwVfG. Außerdem heißt es dazu in der Dienstanweisung des BAMF unter Punkt 7: "Werden Antragsteller_innen von einem Beistand (14 VwVfG) zur Anhörung begleitet, so ist diese Person nur dann zuzulassen, wenn die Antragster_innen eine entsprechende Erklärung zu Protokoll geben und der Beistand sich bei Erscheinen ausweisen kann". Wichtig ist also, sich bereits vor der Anhörung beim BAMF anzumelden, einen Personalausweis mit sich zu führen und zugleich die Zustimmung des Geflüchteten zu haben.

Auch sollte man sich der Verantwortung bewusst sein, die man hiermit übernimmt. Nach § 14 VwVfG gilt alles, was der Beistand im Rahmen der Anhörung äußert, als von dem Asylsuchenden vorgetragen, es sei denn, dieser widerspricht unverzüglich. Ein solcher Widerspruch ist jedoch oftmals aus unterschiedlichen Gründen (bspw. sprachliche Verständigungsschwierigkeiten, "blindes" Vertrauen in die helfende Person, Höflichkeit, Überforderung, etc.) nicht zu erwarten. Machen Sie sich also klar, dass Sie trotz guter Absichten dem Asylsuchenden durch unbedachte Äußerungen auch schaden können. Nur der Geflüchtete sollte seine Geschichte erzählen. Dabei sollten Sie in der Vorbereitung auf die Anhörung auch dem Asylsuchenden klar machen, dass Sie der Anhörung nur unterstützend beiwohnen, diese aber nicht maßgeblich mitgestalten können.

Hier können Sie einen Vordruck für solche eine Zustimmung einsehen.